Satan hat einen Mac

Es fing, wie jede wirklich erzsatanische und urböse Geschichte, so harmlos an. Ich war wie schon oft in den vergangenen Jahren passiv auf Jobsuche, will heißen: Ich suchte nebenher und ohne Anstrengung einen Job für nebenher, am besten einen, für den man sich ebenfalls nicht groß anstrengen muss. Ich fand ihn, als mir ein Dozent einen Job als HiWi für ein Videoschnitt-Seminar anbot. Ich sollte bei der Betreuung eines Seminars helfen, den Video-Unerfahrenen den Einstieg in das Medium erleichtern. Das klingt nicht nach wenig Anstrengung? Doch, eigentlich schon, wenn man bedenkt, dass ich ein paar Semester Design auf dem Buckel habe und PC-leidgeprüft und videoschnittsicher bin.

Es klang also alles nach einem guten Angebot, und ich nahm den Job freudig an. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, ja, mir nicht einmal in meinen übelsten Alpträumen auszumalen vermochte: Es handelte sich bei den Geräten, die zum Schneiden der Videos verwendet werden sollen nicht um PCs. Die geneigte Leserin hat es schon lange erraten: Als ich den Schnittpool besichtigte, glotzten mich vier Macs mit ihren eisigen, freudlos-flachen Bildschirmen an. Gut, auch im Studium war mir die Bekanntschaft mit diesen Maschinen nicht erspart geblieben, und ich war der Meinung, dass ich trotzdem in der Lage sein würde, bei auftauchenden Problemen zu wissen, wo ich ansetzen könnte.

Bis gestern.

Um die tragische Tragweite der folgenden Schilderung verständlich zu machen, muss ich, die Leserin verzeihe es mir, noch ein wenig weiter ausholen. Morgen ist für die Seminarteilnehmer der große Tag. Morgen werden die von ihnen gedrehten und geschnittenen Videos der Öffentlichkeit präsentiert. Morgen schon! Das heißt, bei allen ist spätestens gestern, am Montag, der große Stress ausgebrochen. Und das heißt auch: Unmengen unhandlicher Renderbrocken, kreuz und quer über alle Rechner im Netzwerk und auf allen verfügbaren internen und externen Festplatten verteilt.

Als besonders sensibel für plötzlichen Datenverlust und Unwägbarkeiten erwies sich die externe Festplatte, die immer zuerst ausgeworfen werden musste. Und, siehe da, nach wenigen Stunden hatten wir sie dann auch funktionsunfähig. Nicht so schlimm, dachte ich. Ich wusste nicht, dass das der Anfang vom Ende werden sollte.
Ich versuchte, sie irgendwie in der Systemsteuerung zu aktivieren - dass ich etwas, was mit meiner Systemsteuerung vergleichbar ist, finden konnte, verdankte ich dem Zufall. Ich versuchte es - nichts. Ich warf die Festplatte, die angezeigt wurde, aber trotzdem nicht verwendet werden konnte aus - sie wurde nicht mehr angezeigt. Ich stöpselte Kabel um - nichts. Ich ließ Diagnose- und Reparaturtools über die Platte laufen - nada. Schließlich rief ich verzweifelt meinen Freund zu Hilfe, der sich, Computerlinguste und damit bewandert in allerlei abstrusen Systemen, des Problems annahm. Er öffnete nach Rücksprache mit einer weiteren Freundin ein Terminal, wo er alle möglichen Befehle eingab. Unix, meinte er. Geholfen hat's nichts.
Wir fragten auch das Internet, das uns in vielen Foren zumindest eines sagen konnte: Wir waren nicht allein! Menschen überall hatten das gleiche Problem wie wir und schlugen sich mit dem Betonsystem herum, und in jedem Forum, in dem sie aufliefen, bekamen sie andere Ratschläge und Tipps. Einige rieten dazu, alles per Hand im Unix-Code zu bereinigen, posteten Stränge von Zeichen, mit denen die Fragesteller ebensowenig anfangen konnten wie ich. Andere empfohlen Programme, für die man allerdings bezahlen musste, wieder andere meinten, man müsse mit einem anderen System (Mac OS9 oder Suse oder weiß der Geier was noch) booten, die Platte formatieren, und dann sei alles wieder in Ordnung. Die Daten zwar nicht, aber die Platte.

In Ordnung konnte man wohl nicht sagen - mittlerweile saßen mir zwei Kleingruppen im Nacken, die die Daten der Platte dringend benötigten! Und die wären sicher nicht damit einverstanden gewesen, die unter Schweiß und Blut produzierten Dateien einfach platt machen zu lassen.

Nebenher stürzte auch der Browser ständig ab, offensichtlich überfordert mit dem Java-Applet von ICQ2go, welches uns als Konferenztool diente. Das Schneideprogramm ließ sich nicht mehr richtig starten, da ja die externe Festplatte mit den dringend benötigten Daten fehlte, und ich stand kurz vorm Nervenzusammenbruch.

Am nächsten Morgen schaffte es mein Dozent, zumindest das Festplattenproblem zu lösen, indem er Mac OS9 startete und einfach das Diagnosetool dieses Systems über die Platte laufen ließ, wie ich es in einem Forum gelesen hatte. Das reichte aus. Komisch, dass die neuere Version des gleichen Betriebssystems dazu nicht in der Lage war...

Und was lernen wir daraus? Man sollte harmlose Jobangebote generell ausschlagen.

PS: Diesen Text habe ich vollständig und ohne Absturz an einem Mac geschrieben. Die Dinger können also doch was. Allerdings war Windows schon in der Version 3.1 dazu in der Lage. :-D
trashqueen - 17. Feb, 18:59

Was zu beweisen war:



Noch ein Nachtrag: Der ach-so-harmlose Apple (oder wie wir in Hessen sagen würden: Appel) ist in Wahrheit ein Hinweis auf die versteckte Verbindung zum Herrn der Finsternis. Denn was zeigt das Logo? Einen Apfel. Einen angebissenen Apfel! Wie viel deutlicher muss ich werden?

In diesem Sinne: Ave Maria!

distelfliege - 19. Feb, 01:11

LOOOOOOOOOOOOOOOOL

Selten so gelacht wie beim Lesen von diesem Beitrag!
*bruaaaahahaha*
Natürlich ist dir mein Mitgefühl nachträglich sicher.
Göttin, bin ich froh nicht in deinen Schuhen gestanden zu haben.
Satan und der Mac -
"denn alles was entsteht, ist wert, daß es zugrunde geht"
- daher auch die Vorschläge mit dem Formatieren?

*pruuuuuuuuust*

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